Walter Freitag 80

Im bayrischen Wald verbrachten Walter Freitag und seine Ehefrau Jutta den 8. Juni 2019, den Tag des 80. Geburtstages des auch in der rheinland-pfälzischen Sportszene bekannten Kaiserslauterers. Der ehemalige Präsident des Südwestdeutschen Amateur-Box-Verbandes‚ seit 56 Jahren Mitglied des 1. FCK und seit 42 der Leiter von dessen Boxabteilung, ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1993 mit dem Bundesverdienstkreuz, von seinem Verein, von seinem und dem nationalen Boxsport-Verband, vom Sportbund Pfalz und vom Landessportbund Rheinland-Pfalz. Der frühere Elektromechanikermeister war lange Zeit Personalratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke/Technischen Werke Kaiserslautern. Walter Freitag war für die SPD Mitglied im Stadtrat seiner Heimatstadt, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Stadtverbands, Ortsvorsteher im Ortsbezirk Grübentälchen/Volkspark und Kreisvorsitzender der ÖTV-Kreisverwaltung Westpfalz. /wk

Entscheidung im letzten Duell

BOXEN: 1. Turnier um Karl-Mildenberger-Gedächtnispokal – Trophäe nach Hessen

KAISERLAUTERN.  Der erste Karl-Mildenberger-Gedächtnispokal steht fortan in Bruchköbel, einem Städtchen sieben Kilometer nördlich von Hanau. Der dortige Klub mit dem anspruchsvollen Namen Box-Akademie verschaffte sich die 65 cm hohe, für den 1. FCK  von den Maikerwe-Festwirten Dorothea und Harald Jäkel gestiftete Trophäe als erfolgreichster Verein.

Ein Regisseur hätte es kaum spannender gestalten können. Erst im letzten der 13 Duelle entschied Bruchköbels Jugend-Schwergewichtler Haris Veselovic mit einem dünnen Punktsieg über Serhard Güney vom BC Worms , wem Karl Mildenbergers Enkel Josha Terbach den Pokal überreichen konnte. Bis zum Schlusskampf lagen beide Vereine mit je zwei Siegen und einem Unentschieden zwischen zweien ihrer Kämpfer (Martin Kauschka/Bruchköbel und Ayman Jibai) gleichauf.

Die nach einjähriger Pause mit dem Turnier zum Andenken an den Schwergewichts-Europameister erstmals wieder ausgetragene Maikerwe-Veranstaltung der FCK-Boxabteilung hätte mehr Zuspruch verdient gehabt.  Unter anderem den Besuch eines Vertreters, einer Vertreterin der Stadtverwaltung. Trug doch der  im Oktober 2018 verstorbene Profiboxer ebenso wie die Fußball-Profis seines Vereins dazu bei, dass Kaiserslautern als Stadt des Sports geprägt worden ist.

Ob das das Mildenberger-Gedächtnisturnier Bestand haben wird, werde sich zeigen, sagte der als Ringsprecher amtierende FCK-Boxabteilungsleiter Walter Freitag. Die Festwirt-Familie Jäkel ist jedenfalls für weitere Trophäenstiftungen bereit, wie sie auf RHEINPFALZ-Nachfrage erklärte.

Die Einnahmen der Veranstaltung stellten die FCK-Boxer der Mildenberger-Witwe Miriam für die Gestaltung der Grabstätte ihres Mannes auf dem Hoheneckener Friedhof zu Verfügung. Es sei „eine namhafte Summe“, sagte Walter Freitag, auch dank der Spenden von Karl Knörr und Wilhelm Henn, dem früheren Festwirt und dem ehemaligen Vorsitzenden des Schaustellerverbandes Kaiserslautern.

Im Vergleich mit anderen, allerdings spärlich gewordenen Vereinsveranstaltungen innerhalb des Südwestdeutschen Amateur-Box-Verbandes bewegten sich etwa zwei Drittel der Kämpfe auf akzeptablem Niveau. Mindestens jeweils eine Rund lang spannend, weil gute Technik und kämpferischer Elan geboten wurde, verliefen das eingangs erwähnte Duell und die Begegnungen Eduard Noskow/BC Mergentheim – Iwan Jakovlev/BC Limburg, Damian Kolaska/Bruchköbel Marco Wengrzik/SSV Wellesweiler, Ayman Jibai/BC Worms – Martin Kauschka/Bruchköbel , Oliver Cioseh/BC Worms – James Banks/PSV Frankfurt, Femi Cioseh/BC Worms – Maxim Schmidt/Mergentheim.

Übrigens: Dass der baumlange Frankfurter James Banks auf seinem rechten Oberarm die drei Worte „mind over matter“ (etwa: Geist über Materie) tätowiert trägt, nutzte dem Deutsch-Amerikaner im Duell mit Oliver Cioseh von dem neuen Wormser Klub BC nichts. Der „Materialist“ aus Worms gewann nach Punkten.

ERGEBNISSE

Männer: 57 kg: Leonid Gergel (MC Mainz) Punktsieger über Emal Kodamani (BA Bruchköbel). –  77 kg: Oliver Cioseh (BC Worms) Punktsieger über James Banks (PSV Frankfurt).

Jugend: 67 kg: Martin Kauschka (BA Bruchköbel) – Ayman Jibai (BC Worms) unentschieden, Joel Schwan (BC Worms) Aufgabesieger 1. Runde über Roman Rozhkov (BA Bruchköbel). –  79 kg: Julian Ward (BA Bruchköbel) Disqualifikationssieger 3. Runde über Alessio Mendolia (BC Mainz). – 98 kg: Haris Vejselovic (BA Bruchköbel) PS über Serhard Günay (BC Worms).

Junioren: 51 kg: Michael Endert (BC Limburg) Aufgabesieger nach einem von Ringrichter und Kampfgericht nicht registrierten Tiefschlag 3. Runde über Daniel John (AV 03 Speyer). – 62 kg: Maxim Schmidt (BC Mergentheim) PS über Femi Cioseh (BC Worms).

Kadetten: 37 kg: Eduard Noskow (BC Mergentheim) PS über Iwan Jakovlev (BC Limburg). –  40 kg: David Ehlert (BC Mergentheim) PS über Merlin Endert (BC Limburg). –  70 kg: Justin Studtmann (SSV Wellesweiler) Aufgabesieger 3. Runde über Philipp Levy (BA Bruchköbel). – 76 kg: Damian Kolaska (BA Bruchköbel) PS über Marco Wengrzik (SSV Wellesweiler).

Weibliche Kadetten: Aysa Ari (1. BC Frankenthal)  Abbruchsiegerin 3. Runde über Melina Meier (SSV Wellesweiler). /wk

Zu Ehren Karl Mildenbergers

Am 04. Oktober 2018 verstarb unser Freund Karl Mildenberger. Seinerseits eine Legende, welche selbst von Muhammad Ali hoch geschätzt wurde.

Ihm zu Ehre wird die Boxabteilung des 1. FC Kaiserslautern am 26.05.2019 auf dem Messeplatz in Kaiserslautern das Karl-Mildenberger Gedächtnis-Turnier organisieren. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr (Waage um 8:30 Uhr).

Der Verband hofft auf zahlreiches Erscheinen.

Emil Schulz in russischem Film

Neun Jahre nach seinem Tod im März 2010 erinnert ein Film über das russische Boxidol Waleri Popenchenko  auch an den Kaiserslauterer Emil Schulz, einen der Großen des deutschen Amateur-Boxsports. Er wird als einer der Gegner des in Russland noch immer populären Popenchenko zu sehen sein. Schulz unterlag dem damals in Leningrad stationierten Offizier der Grenzschutz-Truppen im Mittelgewichts-Endkampf  der Olympischen Spiele 1980 von Tokio in der dritten Runde durch Abbruch.

Emil Schulz‘ Witwe Ursula erfuhr von dem Film über eine Anfrage der Russischen Box-Föderation an den Deutschen Boxsport-Verband. Der wiederum setzte sich mit dem Präsidenten des Südwest-Verbandes, Ramie Al-Masri, in Verbindung, der dann mit Ursula Schulz.

In der schriftlichen Anfrage aus Moskau wird um die Zustimmung „der direkten Erben von Emil Schulz“ zu dessen Namensnennung und bildlichen Darstellung gebeten. Nach Angaben von Ramie Al-Masri und dem FCK-Boxabteilungsleiter Walter Freitag entspricht  Frau Schulz der Bitte aus Moskau. In dem dortigen Filmstudio „Kinodom“ hat Regisseur Artem Mikhalkov im März mit den Dreharbeiten zu dem Streifen begonnen; 2020 soll Premiere sein.

Der aus Taschkent stammende Waleri Popenchenko, nach anderer Schreibweise Popentschenko, bestritt acht Länderkämpfe (unter anderem 1960 in Kiew, wo er beim Vergleich UdSSR – Bundesrepublik Deutschland Emil Schulz nach Punkten besiegte), war 1963 und 1965 Europameister und zwischen 1959 und 1965 siebenmal Sowjet-Meister. Der Bau-Ingenieur starb im Alter von 36 Jahren bei einem Berufsunfall in Moskau.

Das Olympia-Silber von 1980 war der Höhepunkt der Boxerlaufbahn des Emil Schulz. Vor dem Endkampf mit Popenchenko besiegte der den Briten William Stack durch K. o. in der zweiten Runde, Ion Moinea (Rumänien) und Francesco Valle (Italien) punktete er aus. Der wie sein 1. FCK-Vereinskollege Karl Mildenberger in der Rechtsauslage kämpfenden Schulz wurden zwischen 1960 und 164 nur wenige Gegner gefährlich, seine Spezialität war wie die Mildenbergers der linke Leberhaken. Emil Schulz blieb in 21 von 22 Länderkämpfen Sieger und verlor ebenfalls nur 21 seiner 223 Ringduelle. Seine Sportlerlaufbahn musste er nach Olympia 1964 wegen einer Lungenerkrankung aufgeben.  – wk